Mommy Wars? Fehlanzeige! Ich bin sehr dankbar für all die tollen Mit-Mamas

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Der Begriff „Mommy Wars” geistert durch mein Netzwerk. Aber wo sind all diese fiesen Mütter? Mir sind sie jedenfalls noch nicht begegnet.

 

Krieg zwischen Müttern? Kenn ich nicht!

 

Wie oft lese ich von den sogenannten Mommy Wars, also den Kleinkriegen die Mütter untereinander um die vermeintlich richtige Lebens- und Erziehungsweise führen und mit denen sie sich das Leben unnötig schwer machen. Mommy Wars – der Begriff sagt eigentlich schon alles. Aber wohin ich auch gehe: Überall herrscht Friede, Freude, Eierkuchen. Woran kann das nur liegen?

 

 

Vermutlich würde so manche Frau bestätigen, dass die fiesesten Dreistigkeiten oft von Geschlechtsgenossinen ausgehen. Da ist zum Beispiel der nette Hinweis der Kollegin, dass man ja wirklich fertig aussehe. Oder das wunderbare Kompliment einer Freundin nach einer Gewichtsabnahme: „Toll, wie selbstbewusst du durch deine Kleiderwahl zeigst, dass du zu den übrigen Speckfalten am Bauch stehst.” Da kann es unter Müttern doch nur noch hässlicher werden, oder? Denn jetzt trifft jeder Angriff doppelt hart, die Kritik bezieht sich ja nun meist nicht nur auf die Frau selbst, sondern zielt vor allem auch auf ihre Fähigkeit als Mutter ab.

 

 

Fiese Sprüche kommen eher von anderen Personen

 

Und tatsächlich, auch ich musste mir seit der Geburt des Juniors allerlei Unverschämtheiten oder nervige Fragen (allein dieser Tonfall ... ), anhören. Die Bandbreite reicht bisher von: „Wie, er schläft immer noch nicht durch?!”, über den Klassiker: „Du stillst immer noch? Dein Baby braucht doch mal was richtiges.”, bis hin zu: „Mir ist eine saubere Wohnung schon wichtig. So wie du - das könnte ich ja nicht.” Aber wenn ich darüber nachdenke von wem diese Sprüche und „interessierten” Fragen kommen, fällt mir auf das da meist kinderlose Freundinnen und Bekannte oder Kolleginnen und ältere Verwandte ungefragt ihre Ansichten kundtun.

 

Mit anderen Müttern hatte ich diesbezüglich noch keine negativen Erfahrungen. Da sind meine Erfahrungen bisher eher so, dass große Freude herrscht, wenn man Gemeinsamkeiten entdeckt und diese dann ein toller Ausgangspunkt für angeregte Gespräche sind: „Du stillst auch noch?”, „Dein Kleiner schläft tagsüber auch immer nur eine halbe Stunde?”, „Ihr habt ja die gleiche Babytrage wie wir!” Diese Aufzählung ließe sich ewig fortsetzen. Unterschiede sind in den Zusammenkünften mit anderen Müttern hingegen kein Grund dafür, dass die gute Stimmung abreißen würde. Warum auch? Meiner Erfahrung nach wissen die anderen Mütter, dass jede von uns das Beste für ihr Baby will und es eben unterschiedliche Wege zu einem schönen Familienleben gibt.

 

Hinzu kommt: Welche Mutter lässt sich schon gern von einer anderen belehren, was denn das Beste für ihr Baby sei? Man darf den Müttern im Umfeld ruhig zutrauen, dass sie gute Gründe für ihr Verhalten und ihre Methoden haben (natürlich gilt dies nur solange, wie dem Baby nicht geschadet wird) und nach einem Abwägungsprozess zu ihrer Entscheidung gelangt sind.

 

#Teamlove: Neu-Mamas

 

Glücklicherweise hatten anscheinend bisher alle Mütter, denen ich beim Babyfrühstück, im Familienzentrum, in der Nachbarschaft oder im Still-Café begegnet bin, eine ähnliche Einstellung. So habe ich beispielsweise mit merkwürdigen Kommentaren oder Reaktionen gerechnet, als ich davon berichtete, dass wir windelfrei unterwegs sind. Doch auch da stieß ich ausschließlich auf Toleranz, Neugierde und manchmal auch unerwartet auf Mitstreiterinnen und somit wertvollen Austausch.

 

Wenn es um Themen wie die Dauer der Elternzeit der Väter, den Wiedereinstieg der Mütter in den Job, die Stilldauer und Art der Beikosteinführung (Brei oder „Baby-led Weaning”?) geht, dann lerne ich bei zehn Müttern zehn verschiedene Wege zum Umgang mit diesen Themen kennen. Und das zeigt doch, wie vielfältig das Familienleben heute gestaltet werden kann. Viele Möglichkeiten bereichern unser Leben. Im Austausch mit Familien, die es anders machen, erhalte ich immer wieder spannende Denkanstöße.

 

Die größte Schwierigkeit ist vermutlich, dass man einen anderen Weg nicht als Kritik am eigenen Handeln verstehen sollte. Jedes Baby, jede Mutter und jede Situation ist anders. Beurteilen kann ich nur die eigenen Lebensumstände. Und das macht mich auch zur größten Expertin für das Wohlergehen meines Juniors. Warum so viele andere Mütter von ihrem Leid mit den Mommy Wars klagen, während ich dieses Phänomen wunderbarerweise (noch?) nicht kenne? Gute Frage.

 

Danke, dass ihr da seid, liebe Mit-Mütter!

 

Ist der Junior zu jung und genieße ich damit noch eine Art Schonfrist? Sind Mütter in Berlin Friedrichshain toleranter und entspannter als anderswo? Oder geht es in Wirklichkeit der Mehrheit der Mütter wie mir und die Mommy Wars sind einfach ein Thema, das viel Aufmerksamkeit erregt und Klicks generiert und dadurch öffentlich mehr Raum einnimmt, als dies in der Realität eigentlich der Fall ist?

 

Was auch immer der Grund dafür ist, dass ich bisher von dem Mommy Wars verschont blieb: Ich freue mich einfach darüber, im letzten halben Jahr so viele tolle Mütter kennengelernt zu haben. Wie dumm wäre es schließlich auch, sich in einer so aufregenden und mitunter kräftezehrenden Situation wie dem Leben als Neu-Mama mit dummen Kleinkriegen zu befassen? Ich hoffe, dass ihr ähnliche Erfahrungen gemacht habt. Gerade jetzt tut doch jedes nette Wort und jede Unterstützung besonders gut.

 

Mich würde interessieren, wie eure Erfahrungen zum Thema Mommy Wars aussehen. Und wenn ihr sie erlebt habt oder derzeit erlebt: Wie geht ihr damit um?

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