Trotz Familienbett, ohne Papa: Kleinkind nachts abstillen & Stillreduktion tagsüber - Erfahrung & Tipps

Reise an die Ostsee mit Kleinkind: Mama-Bloggerin Jana von Patchehand.de mit Junior am Meer.
Die Ablenkung im Urlaub an der Ostsee war nicht nur sehr erholsam. Sondern auch hilfreich für die Stillreduktion am Tag.

 

Ich kann es selbst kaum glauben: Nach 18 Monaten gehöre ich nun auch zum Kreis der Mütter, die einen festen Stillrhythmus einhalten. Nach einiger Zeit des Haderns, Zögerns und Planens habe ich die Stillmahlzeiten schrittweise reduziert. In meiner Vorstellung der schwierigste Schritt? Nachts abstillen und dabei das gemeinsame Schlafen im Familienbett beibehalten. Schließlich forderte Junior seine Portion Milch häufig und hartnäckig ein (wobei dies auch tagsüber galt)

 

In diesem Blogpost schildere ich ehrlich wie unser Stillrhythmus jetzt aussieht, wie es überhaupt zu meinem Entschluss kam und warum Papa Junior den nächtlichen Abstillprozess nicht begleitete. Meine fünf Tipps helfen allen Mamas, die ihr Kleinkind ebenfalls an weniger Stillmahlzeiten gewöhnen bzw. nachts abstillen möchten. 

 

Stillfreie Nächte oder: Unser neues Familienleben

 

Vor kurzem postete ich auf "facebook" & "Instagram" ein Foto unseres wunderschönen Familienfrühstücks. Spaß beiseite! Ich zeigte euch mal wieder einen Ausschnitt aus meinem wahren Mama-Leben. Das eben auch an unaufgeräumten und krümeligen Esstischen stattfindet. In meinem Beitrag erläuterte ich dann wie es zu diesem eher weniger "Insta"-tauglichen Anblick kam: Am Vorabend wurde es spät. Und am Morgen hatte Junior riesigen Hunger. Da diese beiden Dinge in den letzten 18 Monaten absoluten Seltenheitswert hatten, versprach ich euch später mehr zu berichten. 

 

Und nun verrate ich es euch: Beides hängt unmittelbar damit zusammen, dass ich nachts abgestillt habe. Und so wurde aus einem Besuch lieber Nachbarn am Nachmittag ganz flott ein nettes Plaudern bei Sekt und Bier zu fortgeschrittener Stunde. Quasselstrippen wie ich werden nach einem Sekt halt auch noch gesprächiger (kaum zu glauben, ich weiß ...)

 

Als es dann in der Nacht zügig Richtung Bett ging, verschwendete keiner mehr einen Gedanken ans Aufräumen. Die Quittung dafür gab es dann halt am Frühstückstisch. Junior musste sich nämlich erst daran gewöhnen, dass es in den Nächten nun keine Milch mehr gibt. Und forderte so lautstark und sehr früh "Essssssseeeeeeennnnn" ein. Ja, unser neues Familienleben durch stillfreie Nächte ist eben für uns alle noch ungewohnt. Aber der Reihe nach ... 

 

Wenn Mama die Krise kriegt ...

 

Denn bis Junior nachts abgestillt war, verging ein bisschen Zeit. So ein Stillrhythmus lässt sich halt nicht von einem Tag auf den anderen einführen. Insbesondere dann, wenn Mama das Kleinkind wie ich bis dahin stets nach Bedarf anlegte. Wie es überhaupt dazu kam, dass ich die Stillmahlzeiten Juniors reduzierte? Schließlich betone ich doch immer die vielen Vorteile des Stillens

 

Ganz einfach: Die Nächte wurden nicht ruhiger. Sondern noch unruhiger. Junior trank plötzlich wieder vermehrt an der Brust. Und dies insbesondere in den Nächten. Oftmals im Zweistundentakt wies Junior unmissverständlich darauf hin, dass es doch jetzt Zeit für "Milch" sei. Am Tage war die Situation ähnlich: Milchjunkie Juniors liebster Snack war Muttermilch. Essen? Ja, ein bisschen gern. Aber eine Stillmahlzeit alle drei bis vier Stunden blieb unschlagbar. 

 

Das häufige Stillen fing an mir körperlich zuzusetzen. Immer häufiger plagten mich nach dem Aufwachen am Morgen Kreislaufprobleme. Hinzu kam diese extreme Gereiztheit, die den anstrengenden und stillintensiven Nächten geschuldet war. Für eine lange Zeit empfand ich das Stillen tagsüber als angenehme Ruhepause im Kleinkind-Alltag. Selbst kurze Stillabstände machten mir nachts nie derart zu schaffen, dass ich ans Abstillen dachte. Doch nun empfand ich jedes Andocken Juniors als echten Kraftakt. Und vor allem zu später (oder je nach Betrachtungsweise früher) Stunde als nervig. Ich spürte einfach: Für mich passt das so nicht mehr.

 

Vom Druck von außen, kleinkindlichen & den eigenen Bedürfnissen

 

Damit stand meine Entscheidung jedoch noch nicht fest. Eigentlich bin ich ja ein entscheidungsfreudiger Mensch. Hadern, zögern, ewig grübeln - all das gibt es bei mir nur selten. Ich lege einfach los. Mit einer großen Ausnahme: Wenn es um Junior geht, verfalle ich gern mal in intensive Überlegungen (ich begrüße wieder einmal meinen Dauerbegleiter - den Mama-Perfektionismus). In diesem konkreten Fall plagte mich gar das schlechte Gewissen. Schließlich machte der Kleine bisher so gar nicht den Eindruck, dass er genug vom häufigen Stillen hat. Eher im Gegenteil. Mute ich ihm also zu viel zu, wenn ich meinem Wunsch nach einem festen Stillrhythmus nachgebe?

 

Um diese Frage in Ruhe für mich zu beantworten, ließ ich Junior und mir zunächst also Zeit. Zusätzlich wollte ich sichergehen, dass das nächtliche Abstillen und die Stillreduktion auch wirklich mein Wunsch sind. Denn je älter Junior wurde, desto größer wurde leider auch der Druck aus dem Umfeld. Der deutlich wahrnehmbare und mitunter auch geäußerte Tenor lautete: Das Abstillen sei doch nun wirklich überfällig. 

 

Klar versuchte ich, mir derartige Bemerkungen nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen. Doch das ist leichter gesagt als getan. Umso wichtiger war mir ein genaues Hineinhorchen in meine Gefühle: Fühlt sich der Zeitpunkt für mich richtig an? Welche Vorteile bringt das noch immer häufige Stillen mit sich? Und was stört mich?

 

Dieses in mich gehen war enorm hilfreich für mich. Das Ergebnis? Ich schätzte zwar die Ruhepausen, die das Stillen tagsüber für Junior und mich schuf. Doch die Nachteile überwogen deutlich. Insbesondere die körperliche Erschöpfung und Müdigkeit durch die unruhigen Nächte mit vielen Stillmahlzeiten und einem durch seinen Harndrang aufwachenden Junior wollte ich nicht mehr hinnehmen. 

 

Hierzu merke ich an, dass mir bewusst war, dass ein nächtliches Abstillen eben nicht bedeuten muss, dass die Nächte ruhiger werden. Allerdings hoffte ich, dass ich allein schon durch einen festen Stillrhythmus wieder mehr Energie im Mama-Alltag haben würde. 

 

Mein schlechtes Mama-Gewissen beruhigte ich nach meiner Feststellung, dass die Dauerstillerei für mich nicht mehr passt, recht effektiv. Indem ich mir sagte, dass Junior mir sicher deutlich zeigen wird, was funktioniert und was nicht. Und meine Planungen ja nicht in Stein gemeißelt sind. Sondern bei Bedarf nachjustiert werden können. 

 

Mamas Plan: Das Kleinkind (fast) abstillen

 

Damit stand mein Entschluss also endlich fest. Wie das aber im Leben mit Kleinkind so ist, dauerte die Umsetzung meines Vorhabens dann wieder ein bisschen. Zuerst recherchierte ich in den nahezu unendlichen Weiten des Word Wide Webs. In der Hoffnung auf gute Tipps rund um Stillrhythmus und nächtliches Abstillen. Dabei stieß ich - wie so oft seit ich Mama bin - auf zwei hilfreiche Artikel von Regine Gresens:

  1. 8 Tipps für liebevolles Abstillen nach dem 1. Lebensjahr (Ich wollte zwar nicht abstillen, fand hier aber trotzdem nützliche Anregungen)
  2. Das 10-Nächte-Programm für besseres Schlafen im Familienbett (Ehrliche Worte, viele Tipps)

Außerdem fragte ich Mamas aus meinem Umfeld um Rat, die ihre Babys bzw. Kleinkinder bereits abgestillt haben. Diese kleinen Interviews fand ich persönlich sehr bestärkend. Eine Freundin gab mir im Gespräch noch einen Rat ihrer Hebamme: Änderungen sind tagsüber leichter einzuführen. Erschöpft und müde in der Nacht ist die Belastbarkeit doch sehr begrenzt. Ja, da ist definitiv was dran! 

 

Auch Papa Junior war der Meinung, dass Junior sich wohl besser von seinem nächtlichen Milchsnack verabschiedet, wenn wir tagsüber weniger stillen. Doch ein wichtiger Punkt war noch zu klären: Soll Papa Junior unseren Sohn während des nächtlichen Abstillens begleiten? Schließlich ist häufig zu lesen (beispielsweise in diesem ebenfalls sehr guten Beitrag zum nächtlichen Abstillen), dass der Abschied von der Brust eben die Zeit sei, in der Papa auch nachts ran muss. Die Überlegung dahinter: Das Kind akzeptiert das Nein und anschließenden Trost von Papa viel eher als von Mama Milchbar. Zumal die feinen Näschen ja die Muttermilch auch riechen ... 

 

So schlüssig diese Argumentation für uns auch ist. Es ist nicht unser Weg. Das stellte sich recht schnell heraus. Nach dem Wochenbett war und bin ich für die Nachtschichten im Hause Patschehand zuständig. Dies ergab sich einfach durch das Stillen und auch nächtliche Abhalten, das bei und mit mir besser funktionierte. Kommt Papa ins Schlafzimmer, weil Mama gerade nicht kann, wird zwar gern mit ihm gekuschelt. Doch irgendwann wird dann doch nach Mama gerufen. Als Hauptbezugsperson und Nummer eins in Sachen Kuscheleinheiten werde ich einfach mit Schlaf assoziiert. 

 

Erschwerend hinzu kommt der Umstand, dass Papa Junior die nächtliche Kleinkindbetreuung einfach nicht gewohnt ist. Wie auch, wenn das immer Mamas Job war? Mich kann da ehrlicherweise nicht mehr viel schocken. Zumal ich nach harten Nächten ja auch die Möglichkeit habe tagsüber mit Junior mitzuschlafen und so neue Kraft zu tanken (Spoiler für Baby-Mamas: Dieser soooo nervige Tipp aus der Babyzeit ergibt bei Kleinkindern plötzlich Sinn. Denn da schlafen sie meist nur noch einmal am Tag - und dafür lange.).

 

Ich bin ehrlich: Zunächst überzeugten diese Argumente mich nicht. Allerdings hatte ich auch keine besseren. Schob ich also meinen doofen Schlafneid und die Aufrechnung darüber wer wie stark belastet ist beiseite, blieb die Erkenntnis: Junior wird auch während des Abstillens in den Nächten besser von mir begleitet. Papa sorgt dafür, dass ich an anderen Stellen (Hausarbeit, Kochen ...) entlastet werde. Bei Bedarf hilft er natürlich (wie bisher) auch in den Nächten. 

 

Stillrhythmus tagsüber einführen - So lief es bei uns

 

Nun habe ich also von meinen Überlegungen, Gefühlen und Plänen berichtet. Vermutlich interessiert euch aber neben meinen abschließenden Tipps vor allem: Wie lief denn die Umsetzung meiner Pläne? Waren meine Sorgen im Vorfeld berechtigt? Und wird im Hause Patschehand in den Nachtstunden nun selig geschlummert? 

 

So viel gleich zu Beginn: Diesen Blogartikel würde es nicht geben, wenn ich noch immer ständig mit Stillen beschäftigt wäre. Junior trinkt seit einigen Wochen nur noch einmal morgens und am Abend zum Einschlafen Muttermilch. Der Weg bis zu diesen planbaren  Stillmahlzeiten war glücklicherweise nur mit wenigen Tränen verbunden. Und das trotz des gemeinsamen Schlafens im Familienbett sowie ohne Papas nächtlichen Einsatz. 

 

Wie geplant begann die Stillreduktion tagsüber. Wie schnell wir jedoch von einem etwa dreistündlichen Anlegen am Tage hin zu einer Pause von etwa 10 Stunden kamen, überraschte mich dann doch. In unserem Fall galt wohl das Motto: Ablenkung ist Trumpf. Schließlich verbrachten wir Anfang April einige Tage auf Usedom. Durch die vielen spannenden Eindrücke verlangte Junior von sich aus schon seltener Milch.

 

Fragte er dann, bot ich ihm immer zuerst eine Alternative an. Ein Schluck Wasser, Tee oder eine Zwischenmahlzeit halfen dann manchmal schon. Für mich war das übrigens ein Zeichen, dass auch Junior bereit ist sich langsam von seinem Lieblingssnack zu verabschieden. Vor einigen Monaten stießen meine Alternativvorschläge nämlich noch auf vollkommene Ablehnung. 

 

Wollte Junior nichts essen oder trinken, erklärte ich ihm, dass ich nicht mehr so viel Milch wie bisher geben möchte. Dann nannte ich ihm den Zeitpunkt zu dem wir das nächste Mal stillen werden. Auch dies funktionierte ab und an ganz gut. Insbesondere natürlich dann, wenn unsere Umgebung gerade Juniors Neugier weckte oder wir eine nette Beschäftigung anboten. Weinte oder protestierte der Kleine dann hartnäckig legte ich ihn an. 

 

Tag für Tag futterte Junior so größere Portionen. Und trank schrittweise tagsüber weniger Muttermilch. Nach drei Tagen kam Junior dann etwa zehn Stunden tagsüber ohne stillen aus. In der Woche drauf verlängerte sich die Milchpause sogar auf beachtliche zwölf Stunden. Meine Sorge, dass Junior in seiner gewohnten Umgebung wieder vermehrt Milch verlangt und protestierend einfordert, bewahrheitete sich nur zum Teil. Ja, er fragte wieder häufiger. Doch mein liebevolles Nein und meine kurze Erklärung dazu wurden schnell akzeptiert ("Die Milch ist tagsüber alle. Wenn die Sonne untergeht bekommst du wieder Milch".).

 

Als Herausforderung empfand ich in den ersten zwei Wochen vor allem die Begleitung in den Mittagsschlaf. Juniors Einschlaf-Strategie war bis dahin das Stillen. Ausnahme davon war bisher nur der Buggy als genehmer Ort fürs mittägliche Nickerchen unterwegs. Ich sah mich schon stundenlang in der Frühlingssonne spazieren. Doch Junior ließ sich nach kurzem, heftigem Protest schließlich stets davon überzeugen weiterhin im Bett zu schlafen. 

 

Allerdings ging es nicht ganz ohne nuckeln. Junior bekam und bekommt ja keinen Schnuller. Stattdessen erwählte er Papas und Mamas Finger als Alternative (die eigenen Finger nimmt Junior bisher glücklicherweise nicht, um sein Saugbedürfnis zu stillen). Nun findet unser Schatz also nach kurzem Nuckeln an meinem Finger in den Mittagsschlaf. Auch einige Male am Tage wird übrigens zur Beruhigung und Entspannung kurz mal an Papa Juniors oder meinen Fingern genuckelt. 

 

Mir ging es übrigens während der langsamen Reduktion der Stillmahlzeiten sehr gut. Sowohl körperlich als auch psychisch. Bereits jetzt fühlte ich mich etwas fitter. Wobei das ja auch mit dem traumhaften Frühling in diesem Jahr zu tun haben könnte, der einem mit seinen sommerlichen Temperaturen wohl eigentlich Sorgen bereiten sollte ...

 

Nachts im Familienbett & ohne Papa abstillen - Unsere Erfahrungen

 

Bevor ich mich ans nächtliche Abstillen wagte, ließ ich rund drei Wochen mit stillfreien Tagen und stillintensiven Nächten vergehen. So hatte Junior genug Zeit sich an die neue Situation zu gewöhnen. Außerdem war sein hartnäckiger Husten aus dem gefühlt ewigen Winter erst dann verschwunden. 

 

Ich gebe es zu: Etwas mulmig war mir auch vor den ersten Nächten ohne Milch. So recht glaubte ich nicht daran, dass die Nummer so entspannt laufen könnte wie tagsüber. Hinzu kommt noch, dass wohl niemand gern auf das ohnehin schon knappe Elterngut Schlaf verzichtet. Vor allem ich Jammermama nicht. In der Erwartung irre anstrengender Nächte fand ich also noch einige tage lang Ausreden warum denn ausgerechnet heute nicht die erste milchfreie Nacht sein könne. 

 

Das ging bis zu dieser einen Nacht, in der Junior unglaublich oft und lange andockte. War ich aus seiner Sicht nicht schnell genug bereit für meinen Einsatz schrie er unfassbar laut los. Natürlich musste er durch die Milchmassen in seinem Bäuchlein pullern. Doch er wollte nicht raus aus dem Bett. Und lenkte sich mit - ja genau - stillen ab. Das machte mich unheimlich aggressiv. Entnervt und übermüdet ließ ich Junior trinken. Doch am Morgen stand für mich fest: Der Zeitpunkt ist gekommen. Ich möchte die Nächte nicht mehr durchstillen!

 

Vermutlich war es genau diese Klarheit, die mir in den folgenden Nächten beim Abstillen half. Vor dem Zubettgehen erklärte ich Junior, dass er ab jetzt nur noch zum Sonnenuntergang und zum Sonnenaufgang stillen darf. Die Milch ist nun auch in der Nacht alle. Mit seinen großen Augen schaute der kleine Sonnenschein mich an, nickte und sagte: "Ja!"

 

Was natürlich nicht heißt, dass er sich an seine tagsüber erteilte Zustimmung in Nacht eins erinnerte. Fünf oder sechs Mal wollte Junior Milch. Und bekam sie nicht. Er schrie fürchterlich, wälzte sich durchs Bett und sagte "Neeeeeiiiiin, Neeeeeiiiin, Neeeeein". Ganz ehrlich: Lange hätte ich das nicht ausgehalten. Und so war es mein Glück, dass dieser Protest immer nach wenigen unangenehmen Minuten vorbei war. 

 

In den ersten Nächten halfen Wasser und meine Finger nur bedingt als Milchalternativen. Da Junior seine Essmengen den stillfreien Nächten noch nicht angepasst hatte, hatte er einfach riesigen Hunger. Ja, um drei Uhr nachts. Aber ich kann euch verraten: Es hat fast schon wieder was mit Brötchen essendem Kleinkind auf dem Schoß am Esstisch im dunklen Wohzimmer zu sitzen. Betont sei das "fast" dabei. Beruhigende Info: Junior hat schnell gelernt und nach drei Nächten war der Nachthappen nicht mehr nötig. 

 

Doch damit nicht genug der guten Nachrichten: Juniors Protest wurde von Nacht zu Nacht schwächer. Nach einer Woche erlebte ich nach 18 Monaten wieder eine Nacht, die diesen Namen verdient. Seit ich nachts abgestillt habe, sind die Nächte bei uns wesentlich entspannter. Nein, Junior schläft noch nicht durch. Aber er wacht seltener auf und findet auch schneller wieder zurück in den Schlaf. Mal nach einem Schluck Wasser, mal mit meinem Finger im Mund zum Nuckeln, mal nach einer kleinen Kuschel- und Streicheleinheit. 

 

Etwas zu kämpfen hatte ich zwei Tage lang mit Brustschmerzen durch die nach altem Bedarf produzierte Milchmenge. Hier half es mir sehr Milch abzupumpen (und so erweist sich ein vermeintlicher Fehlkauf dann doch noch als hilfreich). Sonst ging es mir jedoch sehr gut mit meiner Entscheidung. 

 

Nach einigen Wochen als nur noch wenig stillende Mama stelle ich fest, dass ich ausgeglichener bin. Wieder mehr Energie und Kraft habe. Und es mir rundum gut geht mit dem Entschluss, noch nicht vollständig abzustillen. Und da ich leider dazu neige meine eigenen Bedürfnisse zu übergehen: Ein bisschen stolz bin ja schon, dass ich diese im Blick hatte und habe rund ums Immer-noch- und Nicht-mehr-Stillen. 

 

Stillreduktion & nachts abstillen: Fünf Tipps

 

Abschließend gebe ich euch, basierend auf meiner subjektiven Erfahrung (die eben nicht die einer Fachfrau / Expertin ist), fünf Tipps für nächtliches Abstillen bzw. die Einführung planbarer Stillmahlzeiten beim Kleinkind.

 

Ratgeber zum Abstillen nachts & zur Stillreduktion mit Grafik zum Pinnen und Teilen auf Mama-Blog Patschehand.de
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1. Immer noch nicht abgestillt? Ändert nur dann etwas, wenn es euer eigener Wunsch ist

 

In meinem Erfahrungsbericht oben erwähnte ich es ja bereits: Je älter Junior wurde, desto häufiger wurde ich mit kritischen Aussagen bezüglich des Stillens konfrontiert. Obwohl ich mich wirklich bemühte: Übergriffige und bevormundende Sätze gingen eben leider nicht zum einen Ohr rein und zum anderen wieder hinaus. Manchmal hatte ich gar den Drang mich zu rechtfertigen. Wobei ich mir vollkommen darüber im klaren bin, dass ich niemandem Rechenschaft in Bezug auf das Thema Stillen schuldig war und bin.

 

Wer diese nervigen und wenig bestärkenden Kommentare aus dem Umfeld kennt, weiß sicher was ich meine. Ganz wichtig ist aus meiner Sicht: Lasst euch auf eurem eigenen individuellen Weg nicht verunsichern. Ihr wisst am besten was gut für euch und euer Kind ist. Die Entscheidung weniger zu stillen oder abzustillen sollte immer eure eigene sein. Niemals die von Tante Gabi, Kollegin Heike oder sonst wem.

 

Schließlich lassen wir uns doch auch in so vielen anderen Bereichen unseres Lebens keine Vorschriften machen. Warum sollte das ausgerechnet rund um unsere Rolle als Mama anders sein?

 

2. Durchschlafen durch nachts abstillen? Macht euch frei von unrealistischen Erwartungen

 

Bevor ihr euch an die Umsetzung der Stillreduktion bzw. des nächtlichen Abstillens macht, solltet ihr eure Erwartungshaltung prüfen. Und ehrlich dem Realitätscheck unterziehen. Warum wollt ihr seltener stillen? Gibt es auch positive Begleiterscheinungen des Stillens, die ihr künftig vermissen könntet (wie in meinem Beispiel die Ruhepausen beim Stillen im Mama-Alltagstrubel mit Kleinkind)?

 

Überprüft auch Mythen wie "Das Kind schläft durch, sobald es abgestillt wurde" sorgfältig. Denn niemand kann euch dafür eine Garantie geben. Steht ihr auch dann noch hinter eurer Entscheidung wenn die Nächte genauso unruhig wie bisher bleiben? Oder ärgert ihr euch dann über die fehlende, bequeme Möglichkeit des Einschlafstillens? 

 

Wenn ja, dann empfehle ich euch vorerst nicht vollständig abzustillen. So könnt ihr bei Bedarf einfach wieder zu einigen alten Gewohnheiten zurückfinden (siehe auch Tipp fünf)

 

3. Zum Stillrhythmus in drei Tagen? Lasst eurem Kind und euch ausreichend Zeit

 

Wer seit vielen Monaten stillt, kann schnell mal die Geduld verlieren. Von einem Tag auf den anderen heißt es dann: Ich will und kann das nicht mehr! Dafür habe ich vollstes Verständnis. Doch neben meiner Empfehlung, sich zunächst einmal genau zu überlegen, warum es nun an der Zeit für eine Veränderung ist, lautet mein Rat: 

 

Überstürzt diesen Prozess des allmählichen Abschieds von der Brust nicht. Wenn es nicht gerade medizinische Gründe sind, die euch zu diesem Schritt zwingen, habt ihr nun die großartige Möglichkeit eine schöne Stillbeziehung liebevoll nach euren Bedürfnissen zu gestalten bzw. zu beenden. 

 

Euer Kind erhält so wertvolle Zeit, um sich langsam an die Veränderung zu gewöhnen. Euer Mama-Körper kann sich ebenfalls Tag für Tag an die geänderten Anforderungen anpassen. Netter Nebeneffekt? Das Risiko von Milchstau und Brustentzündung wird durch die schrittweise Stillreduktion gesenkt. 

 

4. Alles super? Gönnt euch Entspannung & Entlastung im Mama-Alltag

 

Wie schnell die längeren Stillpausen einen positiven Einfluss auf mein Wohlbefinden und meine Laune haben würden, habe ich wirklich nicht erwartet. Was ich mit der neu gewonnenen Energie nicht alles geschafft habe. Traumhaft! Also für einen Tag lang zumindest. Zu euphorisch aufgrund der "neuen Freiheit" erledigte ich irre viel und ging endlich auch mal wieder liegen gebliebene Dinge an. Das rächte sich die folgenden müden und erschöpften Tage. In denen dann wieder mehr liegen blieb. Inklusive meiner Energie und Euphorie ...

 

Dabei ist es eigentlich klar: Auch für unseren Mama-Körper ist die Situation neu. Was wir beim permanenten Fokus auf unser Kind gern mal vergessen. Daher solltet ihr nicht denselben Fehler wie ich machen. Und neu entstandene Freiräume oder Energieschübe einfach mal einer sehr wichtigen Angelegenheit widmen: Euch selbst. Nicht dem Haushalt, den To-Do-Listen oder den 137 ungelesenen Mails. 

 

Sucht im Rahmen eurer Möglichkeiten auch mit gutem Gewissen nach Entspannung & Entlastung. Wenn Papa, Oma oder auch die liebe Freundin für Freizeit sorgen, könnt ihr euch nicht nur körperlich erholen. Sondern auch eure Gefühle und Gedanken in diesem bewegenden Prozess sortieren. 

 

5. Kein zurück? Ändert was sich falsch anfühlt

 

Sollten euch bei euren Überlegungen rund um die Stillreduktion und das nächtliche Abstillen Sorgen und Ängste begleiten, hilft es sich bewusst zu machen: Keiner meiner Pläne ist unumkehrbar. Keine meiner Entscheidungen ist in Stein gemeißelt. Was sich falsch anfühlt, kann wieder geändert werden. Noch so ein Vorteil langsamer Veränderungen. 

 

Es ist kein Scheitern wenn ihr immer wieder kurz innehaltet und schaut wie es euch mit den Veränderungen geht. Pläne sind dazu da, nachjustiert und korrigiert zu werden. Sie sollen schließlich zu unserem Leben passen. Nicht umgekehrt. 

 

Durch den Stillrhythmus wieder zu einem normalen Appetit zurückfindend, grüßt euch

 

eure Jana

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Mo (Freitag, 21 September 2018 14:26)

    Wie wahr dein Text! Chirurg Dank dafür! Ich stehe gerade an genau dem gleichen Punkt wie du. Fast. Bei mir kommt erschwerend hinzu, dass der große Bruder auch mit im Familienbett schläft und ich nicht weiß, wie ich den Kleinen die ersten Nächte überstehen lasse ohne den Großen zu viel zu stören und ohne einen (vorübergehend) ausquartieren zu müssen. �
    Der Kleine nimmt natürlich auch keinen Schnuller, das war beim Großen eine riesen Hilfe damals..
    Mal schauen, wenn es mich "genug" nervt, fällt mir schon etwas ein �