Ich will aber perfekt sein - oder: Wenn die eigenen Ansprüche zur Last werden

Mama-Bloggerin von patschehand.de mit Baby in der Trage; Tragemama; Babytrage
Meinen Weg zu mehr Gelassenheit und weniger Perfektionismus musste ich erst finden. Und auch wenn ich mittlerweile viel entspannter bin, kann ich mich noch immer nicht ganz befreien von sehr hohen Ansprüchen an mich selbst.

Eine gute Mutter sein - das wollen wir wohl alle. Doch ich wollte noch mehr: Die perfekte Mutter sein. Mein Baby soll den besten Start ins Leben genießen und deswegen gebe ich jeden Tag alles für den Kleinen. Schon in der Schwangerschaft habe ich mich umfassend darüber informiert, was eine Spitzenmami alles mit ihrem Nachwuchs anstellen sollte. Und natürlich hielt ich mich so gut es geht an das, was die Expertinnen und Experten für ein glückliches Babyleben empfehlen.

 

Allerdings blieb bei dem ganzen Kopfzerbrechen, ob ich denn jederzeit richtig mit Junior umgehe und seine gesunde Entwicklung fördere, etwas wichtiges auf der Strecke: Das Vertrauen in meine Fähigkeiten als Mutter und meinen Instinkt. Meine hohen Ansprüche an mich selbst wurden mehr und mehr zur Last. Lest hier, was mir geholfen hat, mir mehr Vertrauen zu schenken.

 

Möchtegern-Superwoman stößt an ihre Grenzen

 

Gut in etwas zu sein - das hat mir noch nie gereicht. Ich wollte mindestens sehr gut oder gar perfekt sein. Schon immer und in allen Bereichen, die mir etwas bedeuten. Da ist es also auch nicht verwunderlich, wenn ich in meiner Rolle als Neu-Mama perfekt sein möchte. Mein kleiner Sonnenschein soll den besten Start in sein Leben haben, den es nur gibt. Ein verständlicher Wunsch, wie ich finde.

 

Schwierig wird es allerdings dann, wenn Mama durch ihre eigenen Ansprüche schnell an ihre Grenzen stößt und die Zeit mit dem Nachwuchs kaum genießen kann, da sie sich ständig den Kopf zerbricht, wo es noch besser laufen könnte und was dafür zu tun sei. Und genau das war mein Problem.

 

Nun ist es mit dem Perfektionismus ein bisschen wie mit der Entspannung. Soll heißen: Bei beiden funktionieren die gut gemeinten Ratschläge aus dem Umfeld, alles doch einfach mal gelassener zu sehen und anzugehen, nicht. "Denk jetzt nicht an eine Schokoladentorte" - na, woran denkt ihr jetzt? Mein Problem ist also nicht ganz so einfach und schnell lösbar, wie ich mir das als ungeduldige und Möchtegern-Superwoman wünsche.

 

Leseverbot für Mama

 

Aber der Anfang war schließlich bereits damit gemacht, zu erkennen, dass ich gern mehr Vertrauen in meine Fähigkeit als Mutter hätte und meine Ansprüche an mich selbst reduzieren sollte. Was mir in den folgenden Tagen und in Gesprächen mit anderen Müttern klar wurde: Meine, in den ersten Wochen nach Juniors Geburt, starke Unsicherheit in vielen Bereichen, kam nicht aus meinem Inneren. Vom ersten Tag an, sagte mir meine Intuition, was in bestimmten Situationen zu tun ist. Ich handelte auch danach. Doch mein Fehler war, mir selbst nicht zu vertrauen. Zu viele andere Stimmen waren in meinem Kopf. Es war eine Mischung aus Ratschlägen aus dem Umfeld und Dingen, die ich in der Schwangerschaft und nach der Geburt in verschiedensten Zeitschriften, Büchern, Broschüren und im Netz gelesen hatte.

 

Sobald ich vor einer ungeklärten Frage in Bezug auf mein Baby stand, startete ich eine Internetrecherche oder befragte - ganz oldschool - eines meiner vielen Bücher. Und wie das bei verschiedenen Quellen so ist - natürlich gab es zahlreiche Tipps und Hinweise, wie mit dem Sachverhalt umzugehen sei. Oftmals widersprachen sich die Expertinnen und Experten auch und am Ende war ich mitunter noch verwirrter als vorher.

 

Um dieses Rauschen in meinem Kopf loszuwerden und ein Gefühl für meinen Weg zu bekommen, beschloss ich das Ende dieser Recherchen zu jedem Babypups. Recherchiert wird nur noch bei wirklichen Sorgen oder ganz konkreten Fragen. Beispiele für erlaubte Suchanfragen: "Wunder Po - was hilft?" oder auch "Zubereitung einer Pastinake". Verboten sind Suchrunden wie "Baby trinkt alle zwei Stunden" oder "Baby schläft nur neben Mama" (bringt aus meiner Sicht nichts außer Tipps, die all meinen Überzeugungen widersprechen und schlechte Laune, wird außerdem ganz sicher von allein besser - wirklich!). 

 

Den Vogel abgeschossen habe ich übrigens ein paar Monate nach Juniors Geburt, als ich ernsthaft folgende Frage ins Suchfeld tippte: "Woran erkenne ich, dass mein Baby glücklich ist?". Oh weh! Weniger Vertrauen in das eigene Gefühl geht wohl kaum.

 

Und reden, reden, reden

 

Doch auch wenn diese Maßnahme schnell Wirkung zeigte und ich mich regelrecht befreit fühlte, reichte das natürlich nicht aus. Und hier kommt nun eine Erkenntnis, die so simpel, aber wichtig ist: Der persönliche Austausch mit anderen Müttern von Babys hat mir so enorm geholfen und hilft natürlich noch immer. Im Gespräch mit den Frauen, die deine Situation nachvollziehen können, relatviert sich vieles. Ich habe gemerkt, dass sich der echte Babyalltag auch bei anderen nicht nach Expertinnen und Experten richtet.

 

Als ich merkte, wie gut mir der Austausch tut und das Gefühl hatte, dass Junior auch schon mehr Action vertragen kann, suchte ich mir die schönsten Angebote aus der Umgebung heraus. Dem Kleinen und mir geht es den ganzen Tag über besser, wenn wir am Vormittag beispielsweise beim Babyfrühstück, Mamasport oder auch bei unserer tollen Nachbarin mit ihrem gleichaltrigen Sohn waren. Hier ergibt sich auch die Möglichkeit, über Themen zu sprechen, die sich mit Papa Junior nicht so gut teilen lassen. Vielen tollen Müttern bin ich so schon begegnet und immer nehme ich aus den Gesprächen mit ihnen etwas mit.

 

Und noch einen Vorteil hat das Unter-andere-Mamas-gehen für mich: Da ich dann auch mal frühstücke oder in ein Gespräch vertieft bin, lasse ich Junior einfach mal machen. Nur so habe ich gelernt, raus aus dieser Dauerbespaßung zu kommen, die ich ihm so oft bot. Der Sohnemann kann sich schon (für mich) erstaunlich lange ohne seine Mama und mit anderen Erwachsenen, Babys oder Spielsachen beschäftigen. Diese Feststellung hat auch meinen Umgang allein mit ihm zu Hause positiv verändert.

 

Und ich merkte: Mein Baby ist glücklich. Und ich bin es auch.

 

Das Vertrauen in meine Fähigkeiten als Mutter wuchs nach und nach. Ich fühlte mich bestärkt von vielen Gesprächen und Beobachtungen, die ich unterwegs mit Junior machte und geradezu aufsog. Und dann kam dieses Aha-Erlebnis während eines Gespräches mit der Hebamme, die mein liebstes Babyfrühstück oftmals begleitet. Ich klagte ihr, dass der Kleine immer aufwacht, wenn ich nicht neben ihm bleibe und die Zeit am Abend mit Papa Junior besonders darunter leidet. Sie erklärte mir, dass das in Juniors Alter ganz normal und die Nähe zu Mama nun mal das Schönste ist. Die Zeit als Paar müsse dann eben zu einem anderen Zeitpunkt gefunden werden. Und dann fragte sie die entscheidende Frage: "Stört es dich denn so doll?".

 

Ich dachte kurz über diese, für mich unerwartete, Frage nach. Ich klagte ich doch gerade mein Problem, klar stört es mi... Oder  etwa doch nicht? Wirklich schlimm fand ich die Situation mittlerweile nicht mehr. Das Kuscheln mit meinem Junior machte mir noch immer Spaß und wenn ich sehr müde vom Tag war, war es sogar sehr schön, so früh zur Ruhe zu kommen. Also war meine Antwort: Nein, es ist okay. Sie hakte nach: "Du bist glücklich und dein Baby auch?". Absolut. 

 

Und da wurde mir klar: Mein Baby ist ein glückliches Baby. Junior ist sogar ein ziemlicher Strahlemann und grinst, was das Zeug hält. Wenn er Kummer hat, dann reagieren wir prompt und helfen ihm. Der Verwöhnquark, an den wir nie geglaubt haben, interessiert uns einfach nicht mehr. Und ja, ich bin auch glücklich. Sehr sogar. Es ist also alles gut.

 

Am Abend, als Junior eingeschlafen war und ruhig atmete, betrachtete ich sein niedliches Gesicht, das mich heute wieder so oft angestrahlt hat. Und ich musste weinen, da ich ganz überwältigt war von diesem unfassbaren Glück, ein gesundes und glückliches Baby bei seinem Start ins Leben begleiten zu dürfen. Mein kleines Baby wird wohl nicht ewig so intensiv meine Nähe suchen. Also gönne ich uns beiden diese Zeit. Voller Glück und Liebe. 

 

Seit diesem Tag habe ich vor allem einen Anspruch, den ich erfüllen möchte: Unsere kleine Familie soll glücklich sein. Die Gewissheit in sich tragen, dass wir uns lieben. Vertrauen ineinander haben. Auf diesem Weg möchte ich auch mir selbst vertrauen. Ich weiß, dass ich jeden Tag mein Bestes gebe. Meine Intuition kennt oftmals den Weg und ich darf ihr folgen. Und bei Unsicherheiten über die kleinen Details gibt es ja glücklicherweise andere Mütter, tolle Literatur und die berühmte Suchmaschine.

 

(H)Ehrlich unperfekt grüßt euch

 

eure Jana

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